„Wir sollten das Wort Nachhaltigkeit vermeiden.“

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis – Europas größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement – würdigt seit 2008 jedes Jahr im Dezember kreative Lösungen für die Herausforderungen von heute und morgen.

Zu den Zielen der Veranstaltung gehört unter anderem, die Vernetzung zu fördern. So kommen während des Deutschen Nachhaltigkeitstages (obwohl streng genommen der Kongress eigentlich an zwei Tagen stattfindet) die unterschiedlichsten Akteure aus Wirtschaft, Kommunen und Forschung miteinander ins Gespräch.

Das gesamte Projekt wird von Anfang an klimaneutral realisiert. Nicht nur ist die Preisverleihung Deutschlands grünste Gala – auch die ganzjährige Produktionsphase werden umfassend nach den Kriterien eines nachhaltigen Veranstaltungsmanagements ausgerichtet. Konsequentes Vermeiden von Umweltbelastungen geht dabei immer vor Kompensieren.
Über 100 Experten diskutierten am 7. und 8. Dezember 2017 in Düsseldorf zu Themen wie Digitalisierung, Wasser, Klimaschutz, Ethik oder Finanzwirtschaft im Kontext der Nachhaltigkeit. Die Themen und Teilnehmer waren so abwechslungsreich, dass ich mich am liebsten geklont hätte, um bei den parallelen Dialogforen überall dabei sein zu können.

Was ich für das Onlinemagazin von Textlandia mitgebracht habe, sind einzelne Stimmen aus den vielen Reden, Interviews und Diskussionsrunden.

Obwohl der Titel der Veranstaltung selbstverständlich auch durchgehend Programm war, hat sich sehr schnell herauskristallisiert, dass die meisten Experten das Wort Nachhaltigkeit gar nicht gerne verwenden. Der Grund: es sei abgenutzt, nichtssagend und sogar negativ anmutend. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich:

„Wie kann man das Thema groß an die Masse bringen?“ fragte Moderatorin Janine Steeger in einer der Diskussionsrunen.

„Indem wir das Wort Nachhaltigkeit vermeiden. Stattdessen sollten wir versuchen, im Kleinen, in der Nachbarschaft, durch Vorbilder zu kommunizieren. Verbundenheit spielt dabei eine Schlüsselrolle. Was kontraproduktiv ist, von oben herabzublicken.“
Reiner Erben, Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration der Stadt Augsburg

„Das Problem ist, dass jeder was anderes unter Nachhaltigkeit versteht. Deswegen müssen wir es konkret machen. […] Vielleicht einigen wir uns, was Nachhaltigkeit bedeutet, wenn wir an die Enkelkinder denken.“
Dr. Marc-Oliver Pahl, Referatsleiter beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

„Die Nachhaltigkeit gehört ins Grundgesetz, ist aber kein Thema, mit dem man bei Wahlen Stimmen holt.“

„194 Staaten haben [der Agenda 2030] zugestimmt, weil das so schön klingt, aber keiner kann sich was darunter vorstellen.“

„Solange Gewinnmaximierung und Dividende wichtiger sind, steht Nachhaltigkeit nicht im Mittelpunkt. Bewusstsein allein reicht nicht, notwendig sind positive Entscheidungen.“
Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung

„Es ist schwierig, wenn Nachhaltigkeit als Verpflichtung angesehen wird, nicht als Möglichkeit.“
Dr. Odette Deuber, geschäftsführende Gesellschafterin der KlimaAktiv

„Klimaschutz soll Spaß machen, sonst bewegen wir die Menschen nicht. Dafür müssen wir neue Methoden entwickeln.“
Dr. Sven Lundie, Leiter des Nachhaltigkeits- und Innovationsmanagements bei der DFH AG

„Wenn Erbsenzähler in strategische Entscheidungen eingebunden werden, geht alles schief.“
Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Leiter des Centre for Sustainability Management (CSM) an der Leuphana Universität Lüneburg

„Die Herausforderung ist nicht, zum Mond zu fliegen, sondern die Lebensqualität auf der Erde zu verbessern.“
Dr. Bertrand Piccard, Abenteurer, Entdecker und Ehrenpreisträger des Next Economy Award


Weiterführende Informationen

Statistik zu „Was ist Nachhaltigkeit?“